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GOCH



Krippenparadies in Asperden soll bleiben

Etwa 750 Krippen aus Holz, Gips, Blech oder Papier hat Theo Erps zusammen- gesammelt. Der Asperdener hofft, dass eines Tages jemand die Sammlung übernehmen und sie weiterhin öffentlich zeigen wird.


Theo Erps zeigt in seinem Ausstellungsraum nicht nur große Krippenlandschaften, sondern auch originelle Kleinstexemplare wie diese papierne Arbeit.FOTO: ANJA SETTNIK


VON ANJA SETTNIK


GOCH-ASPERDEN |An nachlassender Begeisterung liegt es keinesfalls. Ganz im Gegenteil: Noch heute kann Theo Erps immer mal wieder nicht widerstehen, wenn ihm eine besondere Krippe vor Augen kommt. Besonders schön, beson- ders selten, besonders exotisch – egal. Um ihm zu gefallen, muss die Darstel- lung der Heiligen Familie nicht unbedingt sehr wertvoll sein. Manchmal ist es auch die rührende Geschichte, die hinter der Herstellung steht, oder es hat ihn jemand kontaktiert, der genauso für das Thema brennt wie der 77-

Jährige. Und dann kann er schlecht nein sagen. Dabei denkt Theo Erps in letz- ter Zeit öfter mal darüber nach, was wohl aus seiner Sammlung wird, wenn er sich mal nicht mehr selbst darum kümmern kann. „Wenn ich’s gesundheit- lich schaffe, mache ich es vielleicht noch bis 80, aber dann sollte Schluss sein“, findet er. Sein Wunsch: Es möge sich jemand melden, der die rund 750 Beispiele verschiedenster Volksfrömmigkeit übernimmt und weiter der Öf- fentlichkeit zeigt. Denn Krippen, findet Erps, sind wichtig.


Nicht zuletzt für Kinder. „Die Leute sind heute nur noch selten religiös, aber viele stellen aus Gründen der Tradition eine Krippe auf oder weil die Kinder so etwas sehen sollten.“ Die Geschichte von der Geburt im Stall, vom Jesuskind, das die Menschheit rettet, sei noch immer gegenwärtig. Viele Menschen ge- hen zumindest zur Weihnachtszeit mal in die Kirche, schauen sich dort die Krippe an, besuchen auch mal Erps‘ „Krippenparadies“, in dem Ehefrau Mo- nika alles so schön dekoriert hat. Nicht zuletzt vermittle die Sammlung einen Überblick über die landestypischen Interpretationen des Weihnachtsgesche- hens.


„Transeamus usque Bethlehem“ steht auf dem Schild am Ladenlokal Graef- enthalstraße 15. Der Chorsänger weiß wie bestimmt viele andere Menschen seiner Generation – Lateinkenntnisse nicht vorausgesetzt –, dass das soviel wie „Lasset uns hinübergehen nach Bethlehem“ heißt. Und dort sehen, was geschehen ist: Ein Kind ist geboren, ärmlich in einem Stall. Volkskünstler aus vielen Erdteilen haben Maria, Josef, Jesus, die Heiligen Drei Könige, die Hir- ten und sonst noch so einiges Personal geformt, dazu Tiere von Ochs‘ und Esel über Schafe, Hunde, Kamele bis hin zu Elefanten.


„Es war im Jahr 1992, als ich auf dem Weihnachtsmarkt in Münster einen Schnitzer aus dem Ruhrgebiet kennenlernte, der verschiedene Krippen aus dem Grödnertal in Südtirol anbot. Ich konnte mich nicht gleich entscheiden, aber ein Jahr später besuchte ich eine große Ausstellung und kaufte meine erste wertvolle Krippe.“ Von da an wurde Jahr für Jahr etwas dazu gekauft.

Erps reiste durch die Lande, durchsuchte das Internet, stöberte in Eine-Welt- Läden. Er begann, seine Schätze im Keller des eigenen Wohnhauses zu zei- gen, ab 2008 diente eine ehemalige Metzgerei als Show-Room. Und weil auch dort der Platz bald nicht mehr reichte, siedelte er 2012 in das leerstehende Ladenlokal des pleite gegangenen Drogeriemarkts Schlecker um. Dort, auf der

Graefenthalstraße, sind ganze Krippenlandschaften entstanden. Der Besuch ist vom Ersten Advent bis mindestens Mitte Januar an jedem Sonntag mög- lich.


Wer das alles wunderbar findet, aber meint, er hätte bei sich zu Hause nicht den Platz für eine Krippe, wird von Theo Erps eines Besseren belehrt: Gerade mal zwölf Zentimeter im Quadrat misst eine papierne Krippe, die vor fast 100 Jahren gefertigt wurde und in jedes kleine Regal passt. Oder eine „2D- Krippe“ in Form eines Kreuzes, auf Blech gemalt und zum An-die-Wand- hängen. Kleine oder große Skulpturen der Heiligen Famiie kommen mal tra- ditionell, mal naiv oder modern daher, sind knallig bunt, aus edlem Ahorn oder aus Ebenholz, auch preiswert aus Gips oder aus Alteisen geformt. Immer wieder natürlich ganz klassisch aus hellem Lindenholz geschnitzt, ganz in Handarbeit oder – überwiegend – in Serie erstellt. „Ich muss mich bremsen, nicht immer weiter etwas dazu zu kaufen“, gesteht der Asperdener schmun- zelnd. Denn abgegeben hat er noch kaum ein Exemplar, und so wächst und wächst die Sammlung.


INFO

Wo und wann man die Sammlung ansehen kann

Ort Asperden, Graefenthalstraße 15. Sonntags steht ein Aufsteller vor der Tür.


Zeit Mindestens noch bis Mitte Januar an jedem Sonntag ab 13 bis etwa 17 Uhr. Auch nach Absprache unter Tel. 02823 976 3247 oder per Mail an theoerps@hotmail.com


Eintritt Schauen kostet nichts, das Ehepaar Erps freut sich aber über kleine Spenden zum Erhalt der Sammlung und für immer wieder neue Dekorationen.